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Nur 20 Minuten

„Kinder sind nicht nur Schüler, sie sind Menschen, die unser Zuhören brauchen.“ – Carl Rogers

Grundsätzlich gefällt mir die Idee, statt eines Elternsprechtages mit den Schülern und Schülerinnen Lernentwicklungsgespräche zu führen. Das ist eins der Alleinstellungsmerkmale unserer Schule. Mit 28 Personen soll gesprochen werden. Während 45 Minuten Klassenlehrerstunde. Zweimal im Schuljahr.

Meinem Klassenlehrerpartner und mir sind diese Gespräche sehr wichtig. Wir haben eine fünfte Klasse, die sich in der „großen“ neuen Schule eingewöhnen muss. Daher nehmen wir uns zweimal pro Woche 45 Minuten Zeit, um mit jedem einzeln zu sprechen. Also vier Kinder pro Woche. Andere Kollegen lösen das anders. Sie sprechen mit vier Personen in 45 Minuten oder teilen sich auf oder sprechen mit 2-3 Schüler*innen gleichzeitig. Mannigfaltige Möglichkeiten.
Schnell geht es natürlich, wenn man den Kindern sagt, xyz machst du toll und abc läuft nicht gut, dies und das musst du ändern.

20 Minuten für ein Gespräch auf Augenhöhe mit systemischer Haltung. Eine Herausforderung. Die Schüler bereiten sich mit einer Gesprächsvorlage vor. Sie füllen aus, welche Stärken und Schwächen sie bei sich sehen, Reflexionen zu Arbeitsverhalten, allgemeines Befinden und auch familiäre Situation, wenn sie möchten. Allein schon diese Liste bietet eine Unmenge an Gesprächsanlässen. Die Schüler kennen in der Regel ihre Baustellen und thematisieren sie von ganz alleine: „Ich vergesse häufig meine Hausaufgaben.“ „Ich darf mich nicht so oft ablenken lassen.“ „Ich bin schlecht in Mathe.“
Aufgefallen ist mir, dass viele Schüler*innen keinen Bezug zu ihren Stärken haben. Sie nennen dann Fächer, in denen sie gute Noten haben.

Systemische Fragen eignen sich prima, um über die Themen ins Gespräch zu kommen. „Wann schaffst du es gut, an deine Hausaufgaben zu denken?“ „Was würde mir der Englischlehrer über dich berichten?“ „Auf einer Skala von 1-10, wie häufig beteiligst du dich am Unterricht? Was wäre anders, wenn du zwei Stufen höher wärst?“ „Woran merke ich nächste Woche, dass du mit einer Lerngruppe gearbeitet hast?“
Traurig ist es, wenn nach 15 Minuten kommt: „Eigentlich habe ich noch gar keine Freunde in der Klasse gefunden.“ Das schaffe ich dann nicht in fünf Minuten aufzufangen. Der nächste Schüler wartet schon vor der Tür. Oder das Stundenende mit der nächsten Klasse, die in den Raum muss. Verdammt. Da bleibt mir nur, selbst einen Lösungsvorschlag zu machen, mit dem Auftrag, dies einmal auszuprobieren. Und natürlich hoffen, dass irgendwann noch einmal Zeit ist, um mit dem Kind das Thema in Ruhe zu besprechen.

Die Fünftklässler bringen noch sehr viele persönliche Themen fernab des Unterrichts mit. Einsamkeit, Überforderung, getrennte Eltern. Kein System existiert isoliert neben dem anderen, sehe ich deutlich.

Letztlich kommen die Schüler*innen
als Besucher zu diesem Termin. Ich biete ihnen an, Klienten zu werden. Leider mit halbseidenen Versprechen. Denn Zeit, all diese Anliegen selbst zu unterstützen, habe ich ehrlichgesagt nicht.

Ich hoffe trotzdem, dass jeder am Ende nach Hause geht und fühlt: Die Zeit war kurz, aber mir wurde zugehört.

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